Feuchtigkeitsschäden in Gebäuden

Wie werden Feuchtemessungen ausgeführt:

Feuchtigkeitsmessungen werden durch ein induktives Baufeuchtemessgerät TROTEC T650 mit einer Kugelelektrode ausgeführt.
Diese Methode ermöglicht zerstörungsfreie Messungen über ein konzentriertes Hochfrequenzfeld.
Das Gerät dient zum Aufspüren von Feuchtigkeit und dient zur Eingrenzung feuchte belasteter Bereiche, wobei Vergleichs-/Referenzmessungen in offensichtlich trockenen Zonen zu recht verlässlichen Ergebnissen führen.
Eine quantitative Bestimmung des Feuchtegehalts ist mit dieser Messmethode nicht möglich.
Der Anzeigebereich des Gerätes zur induktiven Baufeuchtemessung reicht von 0 - 160 Digits.
Die Einstufung der Messwerte in grobe Kategorien (bei verputzten Kalksandsteinmauerwerk)

      0-60    Digits      =     trocken
    60-70     Digits     =     eher noch trocken
    70-80    Digits      =     schwach erhöht
  80-100     Digits     =     leicht feucht
100-120     Digi        =     feucht
120-160     Digits     =     stark feucht (bis durchnässt)

Welche sichtbaren Feuchtigkeitsschäden treten auf:

Sichtbare Folgen einer Mauerwerksdurchfeuchtung sind:
- Feuchtflecken mit scharfer Randbildung und Verfärbungen
- zumeist inselförmige weißliche Salzausblühungen
- Putz- und Anstrichablösungen und
- bröselig sandige Putzoberflächen in Teilbereichen

Beurteilung von Feuchtigkeitsschäden :

Die Schadenssymptomatik weist auf das Fehlen einer vertikalen
Abdichtung der erdberührten Flächen der Außenwände und einer horizontalen Sperrschicht am Fußpunkt von Außen- und Innenwänden zum Schutz gegen aufsteigende Feuchtigkeit hin.

Insofern werden hier die nachstehend aufgeführten Wasseraufnahmemechanismen wirksam:
Jeder Baustoff saugt das angebotene Wasser (Bodenfeuchtigkeit) in den Kapillaren wie ein trockener Schwamm auf.
Man nennt diesen Effekt den Kapillarsog. Auf diese Weise bewegt sich das aufgesogene Wasser entgegen der Schwerkraft, bis es einen Ausgleichshorizont erreicht, an dem Wasseraufnahme und -abgabe des Bauteils sich die Waage halten. Die überall vorhandene Bodenfeuchtigkeit reicht aus, um dauerhafte Durchfeuchtungen des Mauerwerks bis auf eine Höhe von maximal 3,00 bis 4,00m zu verursachen
Das entgegen der Schwerkraft bewegte Kapillarwasser baut, bedingt durch seine Strömung ein natürliches elektrisches Feld auf, das häufig vom feuchten Untergrund zum trockenen Mauerwerk gerichtet ist. Dieser Effekt der Elektroosmose verstärkt die Feuchtigkeitsaufnahme der Wand.
Mit der aufsteigenden Feuchtigkeit werden gelöste Salze nach oben geführt, die sich in den Poren sowie an der Putzoberfläche ablagern, hier infolge von Verdunstung auskristallisieren und zu Anstrich-, Putz- und Mauerwerkszerstörungen führen.
Die im Mauerwerk vorhandenen Salze nehmen aus der Luft Feuchtigkeit auf (hygroskopische Feuchte). Je nach Salzkonzentration, Luftfeuchte und Temperatur bleibt das Mauerwerk unterschiedlich feucht, auch wenn der Feuchtenachschub durch die Abdichtungsmaßnahme unterbunden wird.

Die Notwendigkeit einer Abdichtung der Außenwände zum Schutz gegen Bodenfeuchte und Sickerwasser ist seit mehreren Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit.
Die Anforderungen sind in der DIN 18195 Bauwerksabdichtungen geregelt.
Eine Horizontalsperre soll gemäß Ziff. 6.1.2 der DIN 18195-4 2000-08 Bauwerksabdichtungen gestellten Anforderungen entsprechen,
wonach die Außenwände und Innenwände von Gebäuden durch mindestens eine waagerechte Abdichtung (Querschnittsabdichtung) gegen aufsteigende Feuchtigkeit zu
schützen sind.

Folgen eines mangelnden Feuchtigkeitsschutzes

Die dauerhafte Durchfeuchtung birgt die nachstehenden Gefahren für das Bauwerk und deren Bewohner bzw. bedeutet Nutzungseinschränkungen:

Allmählicher Festigkeitsverlust des Mauerwerks durch mechanische und chemische Zerstörung. Erfahrungsgemäß ist das Mauerwerk jedoch so überdimensioniert, dass sich Festigkeitsverluste des Fugenmörtels in statischer Hinsicht kaum negativ auswirken. Zur Gewinnung gesicherter Erkenntnisse wäre die Entnahme von Bohrkernen aus dem gesamten Wandquerschnitt und deren Festigkeitsuntersuchungen erforderlich.
Anhaltender Transport von Salzen in das Mauerwerk. Durch Salztransport entsteht ein natürliches elektrisches Feld, das zur sogenannten Elektroosmose führt und damit die Wasseraufnahme weiter verstärkt. Auf diese Weise bewegt sich das aufgesogene Wasser wie ein Schwamm entgegen der Schwerkraft, bis es einen Ausgleichhorizont erreicht, an dem Wasseraufnahme und –Abgabe des Bauteils sich die Waage halten. Die an der Wasseroberfläche gebildeten Salze sind zum Teil hygroskopisch, d.h. sie nehmen verstärkt gasförmigen Wasserdampf auf, der im kristallinen Gefüge der Salze zu flüssigem Wasser kondensiert und die Salze und ihre Umgebung durchfeuchtet. Dadurch wird die Wandoberfläche verstärkt mit liquidem Wasser beaufschlagt und eine Austrocknung der Wandoberfläche verhindert.
Ausgezeichneter Nährboden für bauschädliche Pilze (echter Hausschwamm),  sowie Schimmelpilze, deren Sporen als Allergene wirken und zu Krankheiten,  wie Rheumatismus, oder Bronchialasthma führen können. Schimmelpilze stellen eine Gefahr dar und ihr Auftreten bedeutet einen Schaden. Die Pilzkulturengeben Ihre Keime an die Raumluft ab. Die Stoffwechselprodukte, die an den Pilzen und Keimen haften sind toxisch. Es handelt sich dabei zum Teil um die gleichen Schimmelpilze, wie sie auf Nahrungsmitteln vorgefunden werden. Somit besteht die gleiche Gefahr hinsichtlich von Krankheiten, bei deren die pathogene bzw. toxischen Wirkung überwiegend asthmatische Beschwerden als allergische Reaktion sind.
Die Kellerräume sind infolge der hohen Luftfeuchtigkeit nur noch eingeschränkt zu Lagerzwecken nutzbar. Es besteht ein erhöhtes Risiko der Beeinträchtigung von eingelagerter Kleidung bzw. Lederwaren durch muffige Geruchsbildung, Stockflecken (Anfangsstadium von Schimmelpilzbefall) sowie mikrobiellen Befall (Schimmelpilz).

Maßnahmen

Zur dauerhaften Beseitigung der vorhandenen Feuchtschäden werden mehrere unterschiedliche Maßnahmen erforderlich sein.

  • Freilegung der erdberührenden Außenwände, um sie mit einer Außenabdichtung versehen zu können bzw.
  • Innenabdichtung aus einer mineralischen Dichtschlämme mit anschließendem Sperrputz und
  • Nachträglicher Einbau einer Querschnittabdichtung (Horizontalsperre) in den Außenwänden und Auftrag  eines Sanierputzes auf deren Innenseite

1. Außenseitige Abdichtung:

Die betroffenen Außenwände würden baulich eine außenseitige Abdichtung zulassen. Die Bauteile können sinnvollerweise an der Seite des „Wasserangriffs“ geschützt und auf diese Weise die Wandsubstanz dauerhaft trocken gehalten werden.

Die für den Feuchtigkeitsschutz von Bauwerken maßgeblichen, allgemein anerkannten Regeln der Technik als Richtschnur für Planer sowie Ausführende finden sich in der DIN 18195: Bauwerksabdichtung (01). Im Hinblick auf den Schutz erdberührender Bauteile gegen eindringende Feuchtigkeit ist der Teil 4 der DIN 18195-4:2000-08 Bauwerksabdichtung (02):  Abdichtungen gegen Bodenfeuchte (Kapillarwasser, Haftwasser) und nicht stauendes Sickerwasser an der Bodenplatte und Wänden, Bemessung und Ausführung, bedeutsam.

Die erdberührenden Außenwände sind gegen seitliche Feuchtigkeit nach Ziff. 7.3 der Norm abzudichten. Folgende Abdichtungsstoffe können verwendet werden:

  • Kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen (kurz„KMB“)
  • Bitumen- und Polymerbitumenbahnen, wie z.B. Bitumen-Dachdichtungsbahnen oder Bitumen-Schweißbahnen.
  • Kaltselbstklebende Bitumen-Dichtungsbahnen (KSK)
  • Kunststoff- und Elastomer-Dichtungsbahnen
  • Elastomer-Dichtungsbahnen mit Selbstklebeschicht.

Die Wandabdichtung ist planmäßig im Regelfall bis 30 cm über Gelände hochzuführen, um ausreichende Anpassungsmöglichkeiten an die Geländeoberfläche sicherstellen zu können. Im Endzustand darf dieser Wert das Maß von 15 cm nicht unterschreiten. Ist dies im Einzelfall nicht möglich, z.B. bei Terrassentüren oder Hauseingängen, sind dort besondere Maßnahmen gegen das eindringenden von Wasser oder das Hinterlaufen der Abdichtung einzuplanen (z.B. ausreichend große Vordächer, Rinnen, mit Abdeckungen oder Gitterrosten.)
Oberhalb des Geländes darf die Abdichtung entfallen, wenn dort ausreichend wasserabweisende Bauteile verwendet werden. Aus dem Spektrum möglicher Abdichtungen wird eine kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtung (kurz „KMB“) empfohlen.  Sie ist nach Maßgabe der KMB-Richtlinie (Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden) herzustellen. Für den Lastfall:

Bodenfeuchte und nicht stauendes Sickerwasser
Nach der Definition DIN 18195-4:2000-08 Bauwerksabdichtung (02) soll die Mindesttrockenschichtdicke 3 mm betragen, wobei die Ausführung in 2 Arbeitsgängen erfolgen muss. Es wird in der Richtlinie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die vorgeschriebene Mindesttrockenschichtdicke an keiner Stelle unterschritten werden darf.

Insbesondere bei nachträglichen Abdichtungsmaßnahmen beim Bauen im Bestand hat sich dieses Abdichtungssystems seit über 2 Jahrzehnten bewährt. Im Gegensatz zu einer bahnenförmigen Abdichtung können unebene, wellige und nicht gänzlich ausgetrocknete Untergründe, wie sie bei Instandsetzungen an der Tagesordnung sind, beschichtet werden. Die pastöse, spachtelfähige Masse passt sich dem Untergrund an, wobei eine vollflächige und gute Haftung erreicht wird. Das Risiko von Haftungsproblemen, Ablösungen und damit einhergehenden Unterläufigkeiten, wie das bei Bahnenabdichtungen hin und wieder vorkommt, ist kaum gegeben.

Vor dem Auftrag der KMB ist der Untergrund mit einer Grundierung bzw. einem Voranstrich nach Herstellermaßgabe des zum Einsatz
gelangenden Produkts zu verstehen. Zumeist handelt es sich um einen Voranstrich auf der Basis einer Bitumen- Emulsion.

Die Außenwandabdichtung muss auf den Fundamentabsatz und mind. 10 cm breit an der Fundamentstirnseite hinuntergeführt
werden.

2. Innenseitige Abdichtung

Ist eine außenseitige Abdichtung aufgrund von geschlossener Bebauung nicht möglich oder aus anderen Gründen unerwünscht, verbleibt als einzige Option eine innenseitige Abdichtung. Bei einer Innenabdichtung bleibt die Mauerwerkssubstanz dauerhaft feucht und es müssen die Risiken einer dauerhaften Durchfeuchtung, wie allmählichen Feuchtigkeitsverlust des Mauerwerkes und verstärkte Salzanreicherungen in Kauf genommen werden.
Zu empfehlen ist eine Innenabdichtung aus einer mineralischen Dichtungsschlämme. Mineralische Dichtungsschlämmen sind Werktrockenmörtel, die auf der Baustelle unter Zugabe von Anmachwasser hergestellt werden. Sie bestehen aus feinkörnigem Quarzsand, Zement als Bindemittel sowie physikalischen und chemisch wirkenden Zusätzen.
Mit einer Kunststoffvergütung des Mörtels ist eine Flexibilisierung zu erreichen.
Nach der Entfernung von Putz und Egalisierung des Fugennetzes wird die mineralische Dichtungsschlämme auf die nackten Mauerwerksoberfläche aufgetragen.  Die Trockenschichtdicke soll mindestens 2,5-3,0 mm betragen.
Die Maßnahme ist zu kombinieren mit einer nachträglich herzustellenden Querschnittabdichtung, die horizontal unterhalb der Kellerdecke und vertikal an den Übergängen zur Außenwandabdichtung anzuordnen ist, um eine kapillare Wasserleitung in die angrenzenden Wandbereiche zu verhindern.
Für die Planung und Ausführung ist „Richtlinie für die Planung und Ausführung von Abdichtungen von Bauteilen mit mineralischen Dichtschlämmen“, Fassung Mai 2002 (03) bedeutsam. Eine Regelung in der gängigen Bauwerksabdichtungsnorm DIN 18195 (01) gibt es bis dato nicht.
Dem Bauherrn sollte bewusst sein, dass auch bei korrekter Planung und Durchführung immer ein gewisses Risiko von Schwachstellen bleibt. Hier ist eine Einschränkung der Gewährleistung auf der Planerseite unvermeidbar.

3. Nachträgliche Querschnittsabdichtung/Horizontalsperre

Beim nachträglichen Einbau einer Querschnittabdichtung in den Außenwänden stehen generell zwei unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Bei allen von beiden Seiten zugänglichen Wänden ist ein sogenanntes „mechanisches Verfahren“ wie z.B. das Ramm-Riffelblechverfahren zu favorisieren.
An allen Wänden, die nur eine einseitige Bearbeitung zulassen, ist nur das Bohrlochinjektionsverfahren anwendbar, wie z.B. das Paraffin-Heißinjektionsverfahren.
Hierbei werden dem Mauerwerk über nebeneinander liegende Bohrlöcher flüssige Substanzen zugeführt, die im Bohrloch angrenzenden Bereich die Kapillaren des Baustoffes verengen und hydrophobieren sollen.

Ramm-Riffelblechverfahren
Mit einen pressluftbetriebenen Schlagwerk werden gewellte Chromnickelstahlbleche mit überlappenden Stößen in eine durchgehende Mörtellagerfuge eingetrieben.
Entscheidender Vorteil gegenüber allen Bohrlochinjektionsverfahren ist die optische Prüfbarkeit und damit die 100-%-ige Sicherstellung der Funktionstüchtigkeit der Maßnahme. Voraussetzung für die Anwendung ist eine ausreichende Stabilität des Mauerwerks und eine durchgehende lagerfuge. Statische Probleme bzw. Rissbildungen sind unter Gewölbeschubeinfluss denkbar. Zu berücksichtigen ist weiterhin ein ausreichender Arbeitsraum von ca. mindestens 1,00 m im zu bearbeitenden Bereich.

Paraffin-Heißinjektion
An allen Wänden, die nur einen einseitige Bearbeitung zulassen, wie z.B. bei:

  • auf Teilmaßnahmen begrenzten Wandabschnitten einzelner Räume,
  • angrenzender Nachbearbeitung,
  • komplizierter Wandgeometrie,
  • Schornsteinsockeln, usw.

muss  auf ein Injektionsverfahren gemäß WTA.Merkblatt 4-4-04/D „Mauerwerksinjektion gegen kapillare Feuchtigkeit“ (04) zurückgegriffen werden. Es ist immer dann einzusetzen, wenn nur eine einseitige Bearbeitung möglich oder gewollt ist. Diese Methode der nachträglichen Querschnittsabdichtung basiert grundsätzlich auf dem Prinzip der Porenreduzierung bzw. Porenverengung in dem hoch-kapillaraktiven Altbau-Ziegelmauerwerk. Dabei soll ein stark wasserabweisender Stoff auf dem Wege der Injektion möglichst den gesamten Wandquerschnitt durchdringen.

Empfohlen wird eine Paraffin-Heißinjektage. Dazu werden in regelmäßigen Abständen Löcher in die Wand eingebracht, die die Wand im Querschnitt fast vollständig durchdringen (ca. Wandstärke abzgl. 5 cm). Über diese Löcher sickert das Material in flüssiger Form ein. Paraffin ähnelt in der Konsistenz und Geruch dem s.g. Stearin, also handelsüblichen Wachskerzen. Es ist wie Stearin durch unpolare Moleküle-Ketten stark wasserabweisend (hydrophob). Es liegt bei den üblichen Temperaturen (mind. Ca. -15°C und max. ca. +50°C bei Aufheizung durch z.B. Sonneneinstrahlung) in fester Form vor. Daher muss sowohl das Material als auch der Baustoff ausreichend erhitzt werden. Dies geschieht mit s.g. Heizlanzen, die ähnlich wie ein Tauchsieder in die Bohrlöcher eingeschoben und über eine geregelte Steuerung mittels Temperaturfühler überwacht werden. Das in erhitztem Zustand sehr dünnflüssige Paraffin dingt in die Poren ein und soll nach dem Erkalten eine wassersperrende Wirkung entfalten. Da Paraffin stark wasserabweisend ist, wird es aber nur in trockene Poren eindringen, während wasserhaltige Poren aufgrund der besagten Hydrophobie zwangsläufig kein Paraffin aufnehmen können. Daher muss der Baustoff zunächst getrocknet werden. Dies geschieht praktischer weise durch eine verlängerte Aufheizung des Mauerwerks mit den ohnehin erforderlichen Heizlanzen. Die Kontrolle der Austrocknung erfolgt durch zentral überwachte Temperaturfühler, die jeweils knapp oberhalb der Einfüll-Bohrungen versetzt anzuordnen sind. Bei Einreichen des Siedepunktes (Anzeige ca. 110-120°C) der einzelnen Fühler meldet das System einen hinreichenden Trocknungserfolg. Zugrunde liegt die Erkenntnis, dass das in den Poren flüssige Wasser nur max. 100°C erreichen kann. Das heißt, wenn im Mauerwerksquerschnitt Temperaturen deutlich über 100°C erreicht sind muss das eingelagerte Wasser nahezu vollständig in Wasserdampf übergegangen sein.

Die Vorteile dieses Verfahrens sind:

  • Wie bei allen Injektagen, kann das Verfahren einseitig ausgeführt werden, d.h. die Wand muss nicht von beiden Seiten zugänglich sein und etwaige, hochwertige Einbauten bzw. gebäudetechnische Installation können auf der Rückseite belassen werden.
  • Ein entscheidender Vorteil ist das überwachte Beheizen und Vortrocknen der Substanz, wobei der Siedepunkt des Wassers als natürlich vorgegebener Erfolgsmelder dient. Die Temperatur geregelte Beheizung des Mauerwerks und rasterartige Messungen mit zentraler Überwachung wird daher mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem umlaufend guten Ergebnis führen. Diese relativ hohe Dichte an Kotroll-Messpunkten wird bei anderen Injektagen nur mit zahlreichen CM-Gerät Messungen möglich, die erheblichen Zeitaufwand verursachen und daher in der Praxis, zumeist aus Kostengründen unterbleiben.
  • Mit dem Heizverfahren sinkt das Risiko von Misserfolgen erheblich ab. Fehler in der Horizontalabdichtung zeigen sich bekanntlich meistens zeitversetzt, d.h. erst nach der Fertigstellung in Form von erneuten Ausblühungen und Feuchtigkeitsschäden. Insofern bietet das Paraffin-Verfahren deutliche Vorteile gegenüber den sonstigen „kalten“ Injektionsverfahren.
  • Die Trocknung geht schnell, im Vergleich zu anderen aufwendigen Verfahren (Mikrowellen/ Heißluft). Bei der Heizlanzen-Trocknung ist einen 36 cm Wand erfahrungsgemäß nach einer Zeit von ca. 48 Stunden injektionsreif durchgetrocknet.
  • Die Verteilung der Injektage kann durch Entnahme von Bohrkernen zumindest stichprobenartig sichtbar überprüft werden, was bei anderen farblosen, wasserähnlichen Materialien kaum funktioniert.


Der Erfolg ist – wie bei allen Injektageverfahren – von vielen Parametern abhängig und birgt zahlreiche Risiken:

  • Unterschiedliche Beschaffenheit des Mauerwerks, wie Porosität, Wassergehalt, Salzgehalt, usw.
  • Aufgrund der Fehlenden Sichtkontrolle im Wandinneren ist die Funktionstüchtigkeit allein durch den Verarbeiter zu gewährleisten. Die Leistung entzieht sich damit weitgehend einer Überwachung durch die Bauleitung, was mit einer eingeschränkten Verantwortlichkeit einhergeht. Die ist ein entscheidender Nachteil gegenüber den in dieser Konstellation nicht einsetzbaren mechanischen Horizontalsperren, bei denen sich eine visuelle Kontrolle unproblematisch gestaltet und damit die 100-%ige Sicherstellung der Funktionstüchtigkeit besteht.
  • Die Gefahr von „Versickern“ des Injektionsstoffs bei innen stark zerklüftetem Mauerwerk, unbemerkten Hohlschichten , „versteckten“ Schornsteinzügen oder falsch positionierten Bohrungen, die im oft knappen Altbau-Fundament unbemerkt bis ins Erdreich hinabreichen.
  • Eine unzureichende Austrocknung bzw. vorzeitige Abkühlung der Mauerwerkssubstanz verhindert eine ausreichende Aufnahme des Injektagematerials.

Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf einige nachteilige Begleiterscheinungen, die in Kauf genommen werden müssen.

  • Eine Lärmbelästigung beim Bohren, die auch beim Eintreiben der Riffelbleche entsteht.
  • Bein Paraffin ist von Zeitpunkt der Verarbeitung bis zum Verputzen der betroffenen Bereiche ein durchdringender, u.U. penetranter „Kerzengeruch“ im Objekt in Kauf zu nehmen., der gesundheitlich unbedenklich ist. Bei einem Altbau mit Holzbalkendecke kann sich die Geruchsbelästigung auch auf nicht behandelte Wohnungen erstecken (Achtung: ggf. Mietkürzungen!)

4. Sanierputz

Unabhängig von er Wahl der Abdichtung – außen- oder innseitig -, sind die Innenseiten der Außenwände mit einem sogenannten Sanierputz gemäß WTA-merkblatt 2-2-91/D „Sanierputz“ (05) zu versehen. Es handelt sich dabei um eine ergänzende Maßnahme, um den Austrocknungsprozess zu beschleunigen und dient der Vermeidung erneuter „Feuchtigkeitsschäden“ infolge auskristallisierter Salze. Bei dem Sanierputz handelt es sich um einen porösen Putz mit stark reduzierter, kapillarer Leitfähigkeit und hoher Wasserdampfdurchlässigkeit, bei dem der Wassertransport durch Diffusion und Verdunstung beschleunigt. Von wesentlicher Bedeutung ist die Verlagerung der Verdunstungszone und die damit verbundene Kristallisation, der im Mauerwerk vorhandenen Restsalze, von der Putzoberfläche in tiefere Schichten. Der hohe Porenanteil sowie die besondere Porengeometrie ermöglichen eine Verlagerung der Verdunstungszone in en Putzquerschnitt und dem damit einhergehenden Effekt einer wesentlich vergrößerten Oberfläche. Durch die verzögerte Salzeinwanderung ist auch die hygroskopische Feuchtigkeitsaufnahme des Putzes vermindert. Es entsteht eine trockene, salzfreie Oberfläche, die für Anstrichsysteme mit entsprechend günstigen Wasserdampfdiffusionswiderstandswert geeignet sind.
Der Auftrag des Sanierputzes muss so erfolgen, dass dieser die durchfeuchteten Bereiche um mindestens 50 cm überragen. Von daher ist in der Regel eine ganzflächige Bearbeitung der Wandflächen angezeigt.

(Quelle des Textes: Amend + Hinrichs Ingenieurgesellschaft - Beratende Ingenieure VBI für Bauwesen . Bauphysik . Instandsetzungsplanung . Abdichtung . Bauschäden)